Die FDP und die Mär vom bösen Wolf

Zuerst dachte ich, Parteichef Christian Lindner und „Agrarexperte“ Karlheinz Busen hätten bei einem Umtrunk mit Parteifreund Rainer Brüderle zu tief ins Glas geschaut. Naheliegend wäre es gewesen, denn erneut wirbt die FDP für Ihre Schnapsidee->, den Wolf in Deutschland zur Jagd freizugeben.

NONSTOP NONSENS der FDP: Das Märchen vom bösen Wolf rückt das Tier häufig in ein schlechtes Licht

Dabei hätte gerade das designierte Parteioberhaupt Christian Lindner wissen müssen, dass eine Bejagung des Wolfes nicht nur gegen das europäische Artenschutzabkommen (FFH-RL) verstößt, sondern zudem die Mär vom bösen Wolf auf statistisch sehr wackeligen Beinen steht.

Doch der Reihe nach:

Bereits im Mai 2016 erhielt Christian Lindner in seiner damaligen Funktion als Vorsitzender der Landtagsfraktion in NRW einen offenen Brief-> des Nabu zur mangelhaften Fachkompetenz der FDP in den Bereichen Natur- und Artenschutz. Scheinbar hat Herr Linder den Brief entweder nicht gelesen oder dessen Inhalt verdrängt, denn nun öffnet die FDP erneut das Fass und dämonisiert die derzeit rund 160 in Deutschland lebenden Tiere auf erneut unfachmännische Art und Weise. Der Agrarpolitiker Karlheinz Busen betont Konfliktpotenziale im Zusammenleben zwischen Mensch und Tier und sieht sogar Leib und Leben von Kindern von den Wölfen bedroht.

Hat die FDP zu viele Bilderbücher von „Rotkäppchen und der böse Wolf“ angeschaut?

Die Dämonisierung des Wolfes entbehrt dabei jeder Nachvollziehbarkeit. Laut einem Bericht von t-online.de -> sind die durch Wölfe verursachten Schäden und Zwischenfälle weitaus geringer als häufig von Wolfsgegnern in der Öffentlichkeit und Politik dargestellt. Ebenso ist die Gefahr für Leib und Leben des Menschen bisher gleich null, da bisher in Deutschland noch kein Wolfsangriff auf einen Menschen gemeldet wurde (siehe Bericht von t-online). Wölfe sind sehr scheu und meiden generell den Kontakt zum Menschen. Bei vom Menschen verursachten Unfällen mit Rotwild im Jahr 2016 wurden beispielsweise elf Menschen tödlich verunglückt. 2790 Menschen wurden bei Verkehrsunfällen mit Rotwild verletzt. Eine verhältnismäßig wesentlich größere Gefahr als die, die vom Wolf ausgeht.

Zahlen die belegen, das die Mär vom bösen Wolf ein Lobbyproblem ist. Und da fühlt sich die FDP ja allzu gerne zu Hause.

Die FDP will uns vor dem bösen Wolf schützen, doch wer schützt uns eigentlich vor der FDP?

Darüber hinaus wäre eine Bejagung des Wolfes in Deutschland illegal. Der Wolf ist durch das europäische Artenschutzabkommen und dem Anhang IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-RL A. IV->) streng geschützt. Die Tötung von Tieren ist verboten und könnte sogar mit Strafzahlungen an die EU geahndet werden.

Für Deutschland ist ein Verbot der Bejagung indes im Bundesnaturschutzgesetz in §44-> festgehalten und der strenge Schutzstatus des Wolfes dort verankert.

Also liebe FDP. Haltet mal den Ball flach und eure Flinten unten. Nicht regieren wolltet ihr ja sowieso. Also jetzt nicht auf dicke Hose machen und lieber noch was Märchenbücher lesen, statt dem Bundestag und den Bürgern neue Märchen vom bösen Wolf aufzutischen.

Bildnachweise: Bild oben (C) ducken99 by Pixabay, Bild unten (C) lightstargod by Pixabay

18 Comments on “Die FDP und die Mär vom bösen Wolf

  1. Es hat sich schon so manche „böse“ Kugel „verirrt“. Wo kein Kläger, da kein Richter! Eine Statistik „Unfälle durch Rotwild“ im Vergleich zum „bösen“ Wolf dagegen zu stellen, finde ich irgendwie unpassend. Würden sich die Menschen umsichtiger verhalten, könnte so mancher Zusammenstoß mit Rotwild vermieden werden. Durch diesen Vergleich (Statistik) gerät das Rotwild nun automatisch ins Visier 😉 Aber das wird ja eh schon lange bejagt.

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    • Liebe Monika. Das war nicht beabsichtigt, das Rotwild hier schlechter zu stellen. Es sollte nur dazu dienen die Verhältnismäßigkeit des Vorwurfs der Gefahr, die durch den Wolf laut Darstellung der Anti-Wolf-Lobby besteht, einzuordnen. Wie Du sagst wird das Rotwild leider schon lange bejagt. Doch auch da steckt viel Lobby dahinter. In einem Buch von Peter Wohlleben (Der Wald – eine Entdeckungsreise) berichtete er über die Zufütterung im Wald für Rot- und Schwarzwild. Dadurch würden die Bestände in Wald und Flur hochgehalten, damit es für die Jäger mehr zu schießen gibt. Ein interessantes Buch, das man gelesen haben sollte.

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  2. Die Wolfsdebatte ist furchtbar emotionalisiert. Und das ist für niemanden hilfreich. Am wenigsten für den Wolf.

    Ich finde es verständlich, wenn wirkliche „Problemwölfe“ getötet werden. In Deutschland werden täglich 2 Millionen Tiere aus Massentierhaltung getötet – das finde ich viel schlimmer.

    Aber Wölfe, die sich wie Wölfe verhalten, sollten geschützt werden. Es sind wunderbare Tiere.

    Hoffentlich werden Wege gefunden, die Wölfe zu schützen und gleichzeitig die Ängste von Menschen vor dem Wolf ernst zu nehmen und zu berücksichtigen.

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    • Da gebe ich Dir vollkommen recht. Der erste Weg, die Ängste des Menschen vor dem Wolf ernst zu nehmen wäre jedoch, falsche Darstellungen und Behauptungen, wie es derzeit wieder geschieht, zu unterlassen und die Verhaltensweisen des Wolfes realistisch zu reflektieren. Wir Menschen müssten bei jeder Straßenüberquerung, bei jedem Schwimmbadbesuch, bei jeder Autofahrt mehr Angst um unser Wohlergehen haben als vor dem Wolf. Haben wir aber nicht, da diese Tätigkeiten nicht dämonisiert werden und zu unserem Alltag dazu gehören. Die Anzahl der Menschen, die einem Wolf in freier Wildbahn begegnet sind dürfte auch verschwindend gering sein. Ich bin mit meinem Hund letztes Jahr im April eine Woche quer durch die Lüneburger Heide gewandert. Wir haben kaum einen Menschen gesehen. Einen Wolf aber auch nicht, obwohl er sich dort „rumtreibt“. Sollte es einen Problemwolf geben, kann man sicherlich Ausnahmen machen. Eine generelle Jagd auf Wölfe ist jedoch sicherlich der falsche Weg.

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  3. Ja, so ist es. Nachdem alles so emotionalisiert ist, ist sachliche Aufklärung leider sehr sehr schwierig…

    Ich habe es hier mitbekommen – der Schäfer, dessen Schafe gerissen wurden, ging sehr gelassen mit der Situation um. Aber andere, die nicht im geringsten auch nur ein Fitzelchen betroffen sein könnten, riefen die Katastrophe aus.

    Die Problematik wird nicht einfacher, zumal meines Wissens viele so genannte „Wolfsvorfälle“ gar nicht auf Wölfe, sondern problematische Wolfshundezüchtungen zurückgehen. Ein weites Feld… (würde Fontanes Stechlin sagen).

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  4. Würde der Mensch nicht ständig mit seiner Dummheit in die Natur eingreifen, würde sie sich ganz von selber regeln. Bei unseren Urahnen hat es doch auch geklappt. Tiere töten nur um satt zu werden und nicht aus Mordlust!
    Das gilt natürlich auch, oder im Besonderen für die Wölfe.Wie groß war die Freude als sich in Deutschland wieder Wölfe angesiedelt haben.
    Bei jeder Panikmache bekomme ich so einen Hals.
    Ich fahre täglich in einer Gegend in der es viel Wildwechsel gibt und ich kann von mir sagen, ich habe noch kein Tier angefahren, oder überfahren.

    In diesem Sinne – euch Allen ein schönes Wochenende.

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    • Da redest Du mir aus der Seele. Übrigens: Ich bin auch viel unterwegs. Seit 7 Jahren im Außendienst mit rund 60000 km im Jahr. Bisherige Anzahl meiner Wildunfälle gleich null. Das soll nicht heißen das nichts passieren kann. Es gibt immer mal ne Situation wo man sicherlich nichts mehr ausrichten kann. Aber von den gemeldeten Wildunfällen ließe sich so einiges vermeiden wenn die Leute angemessener fahren würden.

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