Die Hammãda auf dem Vormarsch*

Der Begriff Hammada oder Hamadah bezeichnet lebensfeindliche Steinwüsten, die sich im weltweiten Verhältnis zu Sandwüsten in der Mehrzahl befinden. Zum Beispiel besteht rund 70% der Sahara aus kargen Stein- und Felswüsten. Das Wort Hammada stammt aus dem Arabischen (hammãda) und bedeutet abgestorben, leblos, erstarrt, erloschen.

Stein- und Felswüsten gelten als besonders lebensfeindlich. Aufgrund der Wasserundurchlässigkeit (natürliche Oberflächenversiegelung) in diesen Wüstengebieten ist die Wasserabflußrate extrem hoch. Vegetation und tierisches Leben ist aufgrund der extrem trockenen und lebensfeindlichen Umstände in diesen Wüstengebieten kaum möglich. (Quelle: Wikipedia -> )

Auch in Deutschland und seinen Anrainerstaaten sind Hammadas in stark inflationärer Anzahl auf dem Vormarsch. Zunächst nur als kleine „Wüstenparzellen“ auszumachen, verstetigt sich mancherorts der Trend, dass einzelne Hammadas durch flächenmäßige Ausdehnung „fusionieren“ und zu großflächigen Steinwüsten zusammenwachsen. Die Auswirkungen auf Fauna und Flora sind enorm und mit katastrophalen Folgen für die Biodiversität einhergehend. Heimische Kulturpflanzen werden zurückgedrängt. Lebensraum für heimische Tier- und Insektenarten wird vernichtet.

Typisierung der deutschen Steinwüsten*

Im Allgemeinen sind die Hammadas in unseren Dörfern und Städten in drei Hauptkategorien typisiert. Die wichtigsten Merkmale stelle ich hier vor:

Die verkappte Hammada

Sie gilt als besonders heimtückisch und gemein, da sie dem Betrachter Schönheit und „das blühende Leben“ vortäuscht. Die vorwiegend aus fernen Ländern eingeschleppten und hier gepflanzten Stauden sind für die heimische Tierwelt relativ wertlos. Vereinzelte bunt blühende Pflänzchen suggerieren hungrigen Bienen wertvollen Nektar, sind jedoch nutzlos da es sich in der Regel um Hybridzüchtungen mit gefüllten Blütenständen handelt.

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Besonders heimtückisch: Die verkappte Hammada täuscht naturnahen Lebensraum vor
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Vielleicht kann sich hier noch eine Spinne wohlfühlen? Verkappte Hammada

Die fortgeschrittene Hammada

Vorstufe der totalen Hammada. Charakteristisch ist die nahezu geometrisch korrekte Ausdehnung der Steinwüste. Im Gegensatz zur totalen Hammada finden sich vereinzelt trostlose, oft jedoch in akurater Form gehaltene, immergrüne Koniferengewächse, die eine gewisse Natürlichkeit vortäuschen.

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Fortgeschrittene Hammada mit wenig nützlicher Koniferen- und Strauchbepflanzung
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Akkurater und geometrisch einwandfreier Auftritt der Koniferen in fortgeschrittener Hammada
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Verkappte Hammada im Übergangsstadium zur fortgeschrittenen Steinwüste. Der Wandel erfolgt meist heimlich, still und leise ohne Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit.

Die totale Hammada

Ganz besonders ordnungsbewußte Zeitgenossen schwören auf die totale Hammada. Jeglicher Hauch von Flora und Fauna ist hier verloren gegangen. Böse Zungen behaupten, dass hier sogar mit glyphosathaltigen Mitteln nachgeholfen wird, sollte es sich ein zartes Unkraut auch nur wagen, ein Würzelchen im Kiesbett zu schlagen.

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Bisher die Ausnahme, doch totale Hammadas befinden sich laut Fachleuten auf dem Vormarsch

Ursachenforschung*

Doch während sich Fachleute bereits einig sind, dass die Ausbreitung der Steinwüsten auf deutschem Boden ein menschengemachtes Problem sind bleiben Politik und Agrarverbände ihrer Linie treu. Bevor man vorschnelle, wissenschaftlich nicht nachgewiesene Urteile über die Ausbreitung der Hammada und ihren Einfluss auf Fauna und Flora ziehe wolle man zunächst Studien abwarten, die über das BfR in Auftrag gegeben worden sind. Mit ersten Ergebnissen rechnet man zum 1. April 2078. Bis dahin sieht man keinen Anlass zu handeln.

Anmerkung des Redakteurs:

Die oben gezeigten Fotos habe ich allesamt im Umkreis von 500 Metern um meinen Wohnort aufgenommen. Es sind nur ein paar der erschreckendsten Beispiele. Es hätten noch einige mehr sein können. Wie sieht es bei Euch denn aus? Hat dort auch der Trend zur Steinwüste derart massiv an Fahrt aufgenommen wie oben (zugegebenermaßen etwas sarkastisch) beschrieben?

* (Anm. der Redaktion): Abschnitte dieses Beitrags enthalten substanziell beabsichtigten satirischen Inhalt!

27 Comments on “Die Hammãda auf dem Vormarsch*

  1. Ich hasse diese Hammadas! Bei uns hier in Castrop sind sie auch auf dem Vormarsch. Und zwar überwiegend so wie auf dem letzten Bild gezeigt. Total steril, wenn es hoch kommt steht „moderne Kunst“ (irgendwas gebogenes aus Metall) in der Mitte dieser Steinflächen. Für mich sind das Leute, die mit der Natur nix am Hut haben, und vor allem einfach nur stinkenfaul sind, was die Gartenarbeit betrifft. Sowas gehört echt verboten ! Auf der einen Seite wird der Rückgang von Singvögeln und Insekten beklagt und auf der anderen Seite wird mit diesem Mist (Hammadas) weiter dagegen gesteuert. Wie bekloppt ist die Menschheit eigentlich ???

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    • Ob es wirklich Faulheit ist, was diese Menschen dazu bewegt weiß ich nicht. Ich denke eher es idt krankhafter, überzogener Ordnungswahn. Hinzu kommt die Gruppendynamik. Was der reiche Nachbar mit seinem SUV vor der Haustür da im Garten macht findet dann in der Nachbarschaft schnell Nachahmer. Schließlich will man zum Kreis der „modernen und fortschrittlichen“ gehören. Ich finde, man kann mittlerweile am Auftritt des (Vor-)Gartens eines Menschen sehr gut seinen Charakter erkennen.

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      • Bei uns hier tippe ich mehr auf Faulheit. Denn diese „sterilen“ Hammadas sieht man bei uns vermehrt vor „einfachen“ Mietshäusern, so nach dem Motto : Praktisch und gut mit wenig Arbeitsaufwand zur Pflege verbunden. Wobei ich sogar sagen muss, die etwas „bonzenhaft, reicheren“ bemühen sich hier noch um die richtige Pflanzenauswahl für Insekten im Vorgarten. Sicher gibt es hier auch Hammadas vor Bonzenhäusern, ganz in meiner Nähe. Doch auch diese Leute, Besitzer dieser Hammadas schätze ich eher als faul ein, weil wie schon gesagt : Hammada : Sehr praktisch mit wenig Arbeitsaufwand zur Pflege. Oder aber, sie konnten sich den Gärtner nicht mehr leisten (vor der Hammada)

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  2. Pingback: „Tatort Garten“ – GRUNDidee Naturgarten

    • Ja, diese Entfremdung von der Natur in Garten und Vorgarten zeigt, wie sehr sich manche Köpfe von ihrer Umwelt entfernt haben. Und dann im Supermarkt meckern das Obst und Gemüse wieder teurer geworden sind…

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  3. Gräßlich. So langsam fehlt mir die Energie, mich aufzuregen. Ansonsten könnte ich durchdrehen. Hie und da sehe ich das hier auch. Auffälllig für mich dabei ist, daß es häufig jüngere Leute sind, die ein altes Haus übernommen haben. Das wird modernisiert, Haus und Garten werden durchgestylt mit Designerterrasse und Schottergarten + Kirschlorbeerhecke. In erster Linie vermute ich Zeitmangel und einen minimalen Pflegeaufwand. Auf der anderen Seite frage ich mich, wie man so von jeglicher Natur abgeschnitten sein kann, um sich so einen „Garten“ – hahahaaahahaaa – zuzulegen. Was ich noch frustrierender finde: solche Leute erreichen wir vermutlich nicht! Wenn in den alten Gärten auch nicht gerade das blühende Leben herrschte, befand sich dort vorher wenigstens ein guter Sträucher- und Baumbestand, so daß die Vögel noch was davon hatten. Vielleicht kommen Eidechsen ????????

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    • Da kommt sicherlich eins zum anderen. Zeitmangel, Unwissen, Desinteresse, Entfremdung von der Natur. Lieber Fitnessstudio als Waldspaziergang… die Liste könnte wahrscheinlich noch erweitert werden. Die erreicht man nicht, da gebe ich Dir recht. Umso wichtiger, das man andere erreicht, die sich dem „Gegentrend“ anschließen, weil es ihnen nicht egal ist.

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      • Da hast du Recht und zum Glück gibt es Menschen, die offen dafür sind. Und manchmal geschehen Zeichen und Wunder und ein „verirrtes Schaf“ findet zur Natur zurück 😉

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  4. wie wahr, wie wahr. Ich wusste nicht, dass es einen Begriff für diese trostlose Schnapsidee gibt. dann auch noch ein so klangvoller. Was mir noch fehlt ist der vergessene totale Hammada,denn nach so einem Sommer (oder zwei) und eben keine Antipilz-Moos-Algen-Unkrautbehandlung, sieht das aus, wie eine vergessene Abraumhalde aus dem Berg-Bahn-Straßenbau…
    Ich wohne hier in einem kleinen Dorf umgeben von verwilderten, absichtlichwilden, normalen, gemüsigen, akkuraten Gärten, wobei etwa 5% (einer, das Dorf ist wirklich klein) davon Hammada (Stufe 2) sind. Begründung: älteres Paar mit Ordnungswahn, die nicht soviel Pflegen wollen. Versteh ich nicht, muss ich auch nicht. Aller Laster Anfang ist dieser Ordnungswahn, man kann auch faul sein und einen schönen Garten haben. Denn Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters.
    Übrigens wurde ich von Fjonka hierher geleitet… „klicken empfohlen“. Danke 🙂

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    • Der Ordnungswahn und wohl leider auch der „Herdenwahn“. Bei 7ns in der Straße sehen die Gärten noch normal aus. Ich starte dieses Jahr so richtig durch und Pflanze bzw. säe viele Wildblumen. Mal sehen ob sich jemand aufregt? 🧐 Vielleicht kann Inhaber ja auch jemanden animieren, es mir nachzumachen? Unsere direkten Nachbarn sind da eher auch Wildbienen-Freunde. Eine Straße weiter sieht’s dann aber so aus wie im Artikel gezeigt. Einer fängt an, die Nachbarn machens dann nach weil es ja scheinbar so toll ist, sich Kies in den Garten zu kippen?

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    • Ein schrecklicher Trend. Man müsste irgendeine Kampagne starten die sich gegen solche Verschandelungen richtet. Nach dem Motto: Negativpreis für die schlimmsten Steinwüsten. Vielleicht hat ja jemand eine Idee? 💡

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      • es gibt doch die Guerillia-Gärtner mit Dung-Saatbomben, aber leider würde das das wohl nicht genügen, denn Glyphowasauchimmer macht ja alles platt.

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      • Man müsste so eine Art Wettbewerb ausrufen:“Bewerben Sie sich für den hässlichsten und unnatürlichsten Vorgarten Deutschlands“ und das dann per Postwurfsendung verteilen. Ich glaube so mancher würde sich schwer auf den Schlips getreten fühlen.

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  5. Ich enthalte mich eines Kommentares und empfehle dringend, bei Nachtspaziergängen schnell keimende kleine Samen wie z. B. Senf, Raps o.ä. zu verteilen, großzügig! Immer wieder…

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    • Liebe Roswitha, vielen Dank für den Tip! Stellt sich nur die Frage, ob diese Samen in dem meist grobkörnigen Kies überhaupt einen Halt und darüber hinaus „Nahrung“ zum überleben finden? Außerdem könnte ich mir denken, das der ein oder andere Hammāda-Besitzer dann wiederum zum Einsatz von chemischen Keulen animiert wird, was der ganzen Sache zusätzlich kontraproduktiv gegenüberstehen würde. Aber zumindest bei den verkappten Hammādas könnte man mal einen Feldversuch wagen… 😜

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  6. Unser Mikrokosmos. Fotos und Leserbrief (2)

    Heimische Gewächse gegen Insekten- und Vogelsterben

    Leserbrief an die Redaktion der Recklinghäuser Zeitung:

    – Von: Ursel und Dietrich Stahlbaum – Betr.: „Wildkräuterstreifen gegen Insekten- und Vogelsterben“ – RZ vom 21. Juli *
    Wir freuen uns über die längst fällige Initiative, die uns allen nützt. Wer einen Garten und/oder Vorgarten besitzt, kann und sollte dazu beitragen, Lebensräume zu schaffen: für Insekten, die für die Bestäubung vieler Pflanzen und als Nahrung vieler Vögel unerlässlich sind. Dazu müssen heimische Gewächse (Bäume, Sträucher, Wildkräuter) angepflanzt und gesät werden. Exoten wie Magnolien mögen in der Blüte prächtig aussehen, Vögeln und Insekten sind sie fremd, ebenso wie Steinwüstenvorgärten.
    Am 24. Juli in der RZ
    https://stahlbaumszeitfragenblog.wordpress.com/2017/07/22/unser-mikrokosmos-fotos-und-leserbrief-2/

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