Bau eines Insektenhauses – Teil 1

Warum ein Eigenbau?

Nachdem auch ich vor ein paar Jahren noch auf die durchaus hübsch anzusehenden, meist aber praktisch relativ wertlosen Insektenhotels aus dem Gartencenter hereingefallen bin, startete ich letztes Jahr mit dem Bau meines ersten Do it yourself-Insektenhauses für Wildbienen. Zuvor hatte ich mich über den Sinn und Unsinn mancher, in herkömmlichen Insektenhotels, verwendeten Materialien informiert und für Ideen zum Eigenbau hauptsächlich von der Webseite des NABU -> inspirieren lassen. Das Problem an industriell gefertigten Insektenhotels ist meist minderwertiges Material aus Birkenholz, zu klein bemessene Fächer für Florfliegen und Schmetterlinge oder wertlose Tannenzapfenfächer, die nicht (wie häufig angepriesen) von Marienkäfern oder Ohrwürmern bewohnt werden.

Meist lassen sich wirksame Insektenhäuser ohne große Investitionen selber herstellen, da man in der Regel die dafür benötigten Materialien entweder irgendwo zu Hause in der Ecke herumstehen hat oder aber mit etwas Glück die Sachen woanders geschenkt bekommt.

Bei meinem ersten Insektenhaus habe ich mich bewußt ausschließlich auf Röhren und Bohrlöcher für Solitärbienen beschränkt. Eine Behausung für Florfliegen, die beispielsweise im Insektenhotel aus dem Handel integriert, jedoch ineffektiv ist, da sie meist viel zu klein bemessen sind, folgt später in einem eigenen Projekt.

Die verwendeten Materialien

Eine alte, bereits in die Jahre gekommene Obstkiste aus Holz sorgte für „den Rahmen“ des neuen Insektenhauses und gab somit die Größe vor. Um dem Ganzen jedoch etwas mehr Stabilität zu verleihen entschied ich mich dafür, einen separaten Korpus für das „Innenleben“ anzufertigen.

Im Keller und im Schuppen machte ich mich auf die Suche nach geeignetem Baumaterial. Bei der Auswahl von geeigneten Materialien ließ ich mich von diversen Bauanleitungen im Internet inspirieren. Besonders die Seite des NABU -> ist da sehr empfehlenswert.

Neben ein paar sehr trockenen Kanthölzern aus Eiche hatte ich vor allem mehrere alte Besen- und Gartengerätestiele gefunden, die nicht mehr gebraucht wurden. Solche Stiele sind meistens aus Eschenholz gefertigt und ideal für die Verwendung im Insektenhaus. Vorausgesetzt natürlich, das Holz ist unbehandelt und frei von Farben oder Lacken (das gilt für jedwedes Material, das beim Bau eines Insektenhauses verwendet wird!).

Die Röhren für die Bienen

Die Stiele also gleichmäßig auf 10 cm Länge gekürzt und mit Bohrlöchern verschiedenen Durchmessers (zw. 3mm und 8mm) versehen. Wichtig ist dabei, dass man so tief Bohren sollte, wie der Bohrer lang ist. Natürlich nicht komplett durchbohren, das mag kein Bienchen gerne. Die Bohrlöcher müssen sauber, frei von Bohrstaub und an der Oberfläche von scharfen Kanten befreit sein. Etwas feines Schleifpapier hilft dabei, die Öffnung von Splittern oder scharfen Kanten zu säubern.

Um dem Insektenhaus insgesamt etwas „Kontrast“ zu verleihen nutzte ich noch einen alten Blechtopf, den ich im Schuppen fand, um diesen mit ausgehöhlten Bambusstäben zu befüllen. Die Rückseiten der Bambusrohre habe ich mit Watte ausgestopft.

Den Blechtopf habe ich auf der Rückseite verschraubt. Alle Holzstiele und Kanthölzer wurden mit Heißkleber fixiert. Kleber aus der Heißklebepistole ist hierzu gut geeignet, da er keine Lösungsmittel enthält und seine Eigenschaften im Winter wie im Sommer behält. Anderer Kleber ist eher ungeeignet, da die Insekten durch die (teilweise lange Zeit) ausdünstenden Lösungsmittel im Kleber ferngehalten bzw. geschädigt werden können.

Der richtige Standort für ein Insektenhaus

Schon bald ging mir das Baumaterial aus. Ich hatte mich hinsichtlich der benötigten Mengen für das Füllmaterial hoffnungslos verschätzt. Da das Insektenhaus jedoch schon im Spätsommer genutzt werden sollte habe ich es an einem überdachten Standort, mit den Öffnungen in südöstlicher Richtung aufgehangen. Eine Ausrichtung gen Süden, wo das Insektenhaus viel Sonne abbekommt, wäre ideal. Falls dies nicht möglich ist, sollte man den Platz so wählen, das es tagsüber zumindest ein paar Stunden Sonneneinstrahlung erhält. Wichtig ist auch ein Platz wo die Öffnungen nicht dem Regen ausgesetzt sind. Bei uns hängt das Insektenhaus unter einem kleinen Dach. Zuerst war es das Dach unseres Hochbeets, nun hängt es unter dem Dach des Brennholzregals. Schon bald waren die ersten interessierten Wildbienen vor Ort und nutzten die ersten Röhren zum Ablegen ihrer Brut.

So konnte das neue Insektenhaus zum Jahresausklang bereits von einigen neuen Bewohnern genutzt werden. Und während die ersten neuen „Mieter“ eingezogen sind sammle ich weiter Baumaterial, um das Projekt Insektenhaus im Frühjahr abzuschließen.

Hier geht es mit Teil 2 weiter

19 Comments on “Bau eines Insektenhauses – Teil 1

  1. Ein sehr schöner und spannender Bericht. Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Vielleicht solltest du noch erwähnen, wie und wo (Himmelsrichtung) man das Hotel am besten aufhängt.
    Alles Liebe …
    Gaby

    Gefällt 3 Personen

    • Ich habe das Baumarkt-Hotel auch noch hängen. Es ist jetzt 4 oder 5 Jahre alt. Aber seit dem letzten Jahr ist es nur noch wenig bewohnt. Die Birkenhölzer werden irgendwann rissig und dann werden sie nicht mehr genutzt.

      Gefällt 1 Person

  2. Sieht sehr hübsch aus! Danke für den Tipp mit dem Eschenholz! Wir haben gerade einiges Eschenholz hier, das bei einer Biotoppflegeaktion angefallen ist. Davon werd ich gleich was für´s Insektenhotel abzweigen.

    Gefällt 2 Personen

    • Das muss aber erst einmal ordentlich trocknen, wenn es sich um frisches Eschenholz handelt. Die bei mir verwendeten Stiele sind ja bereits jahrelang „abgelagert“. Frisches Holz wird erst einmal lange Zeit nicht besiedelt werden. Wenn man es aber z.B. übers Jahr in einem warmen Raum lagern kann (z.B. Heizungsraum) dann ist es vielleicht trocken genug um direkt nach dem Bau bewohnt zu werden?

      Gefällt 1 Person

      • Ja, das muß definitiv erst trocknen. So alte Besentiele, wie du sie verwendet hast, wären natürlich perfekt, um gleich loszulegen. Ich muss jetzt erstmal vorsorgen und die Eschenstücke zur Seite lege, damit ich im nächsten oder übernächsten Jahr unser Bienenhotel neu bestücken kann :-). Im Haus lagern ist tatsächlich keine schlechte Idee, dann sind sie sicher schon nächstes Jahr einsatzbereit.

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  3. Für ein Insektenhotel haben wir leider keine Platzmöglichkeit, da kein Garten mehr. Aber ein kleines Schmetterlingshäusschen konnten wir bei uns anbringen. Bin ja mal auf dieses Frühjahr/Sommer gespannt ob sich da was getan hat. Ich bin begeistert von Deiner Unterstützung zur Erhaltung der Bienen/Insekten. Leider ist das ja aktuell auch bitter nötig.

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    • Bei Schmetterlingshäuschen ist es oft das Problem, dass es in der Umgebung keine Brennnesseln gibt, die die meisten Falterarten zur Fortpflanzung benötigen. Ich glaube die Schmetterlingskästen sind eher zum übernachten für die Tiere gedacht und weniger zur Fortpflanzung. Trotzdem natürlich viel Glück bei Eurem Vorhaben. Schade mit dem Insektenhotel- das es bei Euch aus Platzmangel nicht klappt.

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  4. Da hast du ein schönes Eigenwerk geschaffen. Sieht toll aus! Sowas hätte ich auch gerne 🙂 Bei mir sind Pappröhren und Bambusstäbe in Gebrauch und mir fehlt noch eine gute Außenhülle. Und nicht zu vergessen: den kleinen Wildbienen auch Futter anzubieten, am besten in Form von Wildblumen (da habe ich noch Nachholbedarf). Wenn man ein Insektenhotel in einer Betonwüste oder grünen Ödnis aufhängt, könnte es mit dem Bezug schwierig werden. Am besten schon im Frühjahr mit Platterbse, Krokus, Veilchen, Traubenhyazinthen u.a. anfangen und im Lauf des Jahres mit entsprechenden Blumen fortfahren 🙂 Die neuen Bewohner freuen sich über kurze Wege!

    Gefällt 2 Personen

    • Da stimme ich vollkommen zu. Es kommt immer auf das „Gesamtpaket“ an. Bei den Krokussen sollte man darauf achten „botanische“ Sorten z7 kaufen. Es gibt viele Hybridzüchtungen, die den Bienen nicht viel weiterhelfen. Zudem habe ich vor Weihnachten noch einige Knollen Sternkugellauch gepflanzt, an dem sich im Frühjahr ebenfalls gerne Wildbienen bedienen. Weitere Pflanzen, Blumen und ein breiter Pflanzstreifen mit Wildblumen folgt dann im Frühjahr.

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      • Kugellauch möchte ich auch gerne noch haben, der gefällt mir gut. Bislang gibts bei mir immer Schnittlauch. Ja, blöd daß man da überall drauf achten muß. Wie soll der Laie da noch durchblicken!

        Gefällt 1 Person

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